Reportagen zu Lebenswelten

Ausstellung

 

Vernissage : 

Donnerstag 08. Februar, 19:00 Uhr.

 
Finissage :  
Freitag 15. März,
die Uhrzeit wird bald angekündigt.

Fotogalerie Friedrichshain

https://fotogalerie.berlin/

Helsingforser Pl. 1, 10243 Berlin

 

Öffnungszeiten:

Di-Sa 14:00-18:00
Do 10:00-20:00

Heimaten?

Heimat“ ist ein sehr aufgeladener und umstrittener Begriff in Deutschland. Ein verbrannter Begriff, der jetzt auch von der rechtsextremen, neonazistischen Partei als Name („Die Heimat“, vormals NPD) verwendet wird.

 

In den vergangenen Jahrzehnten diente das Wort Rechtspopulist_innen und -extremist_innen als Kampfbegriff, um all jenen Menschen, die diesem Ideal nicht entsprachen, ihre Existenzberechtigung abzusprechen. So bezeichnet sich die rechtsextreme NPD als »soziale Heimatpartei«“.1) 

Und heute nennt sie sich „Die Heimat“!

 

Der Begriff „Heimat“ ist auch zwiespältig, widersprüchlich und nicht eindeutig. Er kann nicht in alle anderen Sprachen übersetzt werden. In meiner Muttersprache zum Beispiel wird „Heimat“ mit „zu Hause“ übersetzt. Es gibt auch den Ausdruck „zweite Heimat“, also gibt es Deutschland mehrere „Heimaten“.

 

Heimat“ wird oft als Ort oder eine Gegend verstanden, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man lebt. Für viele Menschen existierte dieser Ort nie, sie mussten ihn verlassen oder er wurde ihnen genommen.

 

Über die Bedeutung von „Heimat“ haben wir im Unterricht spannende und lebhafte Diskussionen geführt. Dabei haben sich sehr unterschiedliche und vielfältige Interpretationen dieses Begriffs herauskristallisiert. Die Fotograf_innen der Projektklasse Reportagefotografie am Photocentrum der Gilberto-Bosques-Volkshochschule kommen aus vielen verschiedenen Ländern, einige auch aus dem Osten und dem Westen Deutschlands. Für jeden bedeutet „Heimat“ – oder auch „zu Hause“ – etwas Anderes. Dabei ist nicht nur der Ort, an dem man geboren und aufgewachsen ist, wichtig, sondern auch die emotionale Bindung, von Geborgenheit bis zu Ausgrenzung und Verdrängung.

 

Die Arbeiten der Fotograf_innen zeigen vielseitige Aspekte davon, wie „Heimaten“, „zu Hauses“ erlebt werden. Erzählt werden die unterschiedlichsten Facetten von Menschen in ihren Lebenssituationen. Wo ist der Lebensmittelpunkt? Wie erleben Menschen die Verdrängung aus ihren Wohnungen? Wie schaffen sich vor Krieg Geflüchtete ein neues Zuhause?

 

Habe ich nun eine „Heimat“? Ich weiß es nicht.
Aber ich fühle mich zuhause, wo Menschen über sich selbst lachen können.
Wo Menschen nicht alles besser wissen müssen.
Und vor allem, wo man nicht Recht haben muss.


1) Fatma Aydemir & Hengameh Yaghoobifarah: „Eure Heimat ist unser Albtraum“

von Ann-Christine Jansson, Fotojournalistin, Konzept und Leitung

reportagen zu lebenswelten

Bilde die Wirklichkeit nicht ab, wie sie ist, sondern schildere sie. Ein Foto, das nur eine exakte Kopie des Gegenstandes ist, bleibt immer nur eine Kopie.


Christer Strömholm, schwedischer Fotograf 1918-2002

Reportagefotografie bedeutet, auf das Fremde zuzugehen, sich einzulassen und auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Es heißt vor allem, Nähe zum Gegenüber herzustellen, ihm mit Respekt zu begegnen und dies zu offenbaren. Die Bilder, die dann entstehen, sind ein Ergebnis des Spannungsverhältnisses von Nähe und Distanz. Vor allem bedeutet Reportagefotografie, eine eigene Position zu beziehen und sie in den fotografischen Erzählungen deutlich zu zeigen.


Ann-Christine Jansson